Von der Notwendigkeit zum Wettbewerb

Freiwasserschwimmer gibt es wohl schon so lange wie Menschen als solche. Natürlich war es damals nicht die Sportart, die wir heute kennen. Es gab zum Beispiel bei Flussüberquerungen schlichtweg keine andere Möglichkeit, als hindurch zu schwimmen. Erst vor knapp zweihundert Jahren wurde die Disziplin zur sportlichen Herausforderung. Das bekannteste Frühereignis datiert zurück auf den 3. Mai 1810, als Lord Byron den Hellespont (Dardanelle) durchschwamm.

Der britische Dichter wagte sich durch die gefährliche, etwa 4 Meilen breite Meerenge zwischen Europa und Asien. Ein weiterer Meilenstein folgte nach 65 Jahren. Matthew Webb durchquerte im Jahre 1875 als Erster den Ärmelkanal zwischen Dover und Calais. Der siebenundzwanzigjährige Soldat benötigte weniger als zweiundzwanzig Stunden. Seitdem verfolgte er eine Laufbahn als professioneller Schwimmer, den es immer wieder in das Freiwasser zog. Leider fiel er dieser Leidenschaft acht Jahre später beim Versuch der Durchquerung der Niagarafälle zum Opfer.

niagarafaelle

Die Niagarafälle in den USA.

Eine ansteckende Leidenschaft

Unwesentlich später wurde der damalige Einzelkämpfersport zum Gruppenwettbewerb. Bei der ersten Olympiade 1896 in Athen mussten die Freistilwettbewerbe mangels künstlich erbauter Schwimmbecken draußen stattfinden. Die Schwimmer duellierten sich bei kalten 13 °C in einer offenen Meeresbucht. Bis 2008 hat es gedauert, bis schließlich die Langstreckendistanz über zehn Kilometer zur eigenen olympischen Disziplin gekürt wurde.

In den 122 Jahren dazwischen suchten Schwimmer trotzdem immer wieder die Herausforderung. Es folgten zahlreiche Versuche, den Ärmelkanal zu durchqueren. Der Engländer Thomas Burgess brauchte 17 Anläufe, bevor er im Jahre 1911 erfolgreich war. Sechs Jahre früher probierte sich die Australierin Anette Kellerman als erste Frau, allerdings vergeblich. Erst in 1926 gelang Gertrude Ederle die Kanaldurchquerung. Dabei unterbot sie mit einer Zeit von 14:31 Stunden die bis dahin gültige Bestzeit der Männer um knapp zwei Stunden.

Die Welt schwimmt

Seitdem erfreut sich die Sportart stets wachsender Beliebtheit. Das Ärmelkanalschwimmen ist heute eine von sieben Veranstaltungen der “Oceans Seven”. Seit 2008 gibt es die beliebte Serie von Kanaldurchquerungen über die Langstreckendistanz in der ganze Welt. Jährlich ausgetragen wird seit 1989 auch das Wettschwimmen über den Bosporus. Längst kommen Freiwasserschwimmer aber auch innerhalb der Landesgrenzen auf ihre Kosten: Seit 1981 trägt Gelsenkirchen am Rhein-Herne- Kanal Schwimmwettbewerbe aus. Für die nasskalte Eröffnung des Oktoberfestes in München sorgt das Isarschwimmen seit 2005.

Auch Sachsen trägt im kommenden August mittlerweile die 5. sächsische Landesmeisterschaft aus. Sowohl Professionelle, als auch Hobbyschwimmer finden heute prall gefüllte Veranstaltungskalender. Etwa 50 bis 60 Freiwasserwettkämpfe über sämtliche Distanzen finden pro Saison allein in Deutschland statt.